Mumbai (13. – 16.12)

19. Dezember 2013 at 15:35

Am Freitag, den 13.12, heißt es früh aufstehen. Ich habe beschlossen mir den Sonnenaufgang am Ganges anzuschauen. Kurz vor 6Uhr verlasse ich das Hotel und laufe durch die Gassen zum Fluss. Die Gassen sind übrigens nicht wirklich leer, wie ich es eigentlich bei dieser Uhrzeit erwartet hätte, sondern bereits ganz gut gefühlt. Auch am Ufer des Ganges sind bereits jede Menge Menschen unterwegs. Leider ist es in der Ferne etwas nebelig, aber trotzdem ein tolles Erlebnis, zu sehen wie sich die Sonne erhebt und den Tag wirklich einleitet.

Sonnenaufgang in Varanasi

Sonnenaufgang in Varanasi

Sonnenaufgang am Ganges

Sonnenaufgang am Ganges

Gegen kurz nach 7Uhr bin ich zurück im Hotel, leider ohne Frühstück, da noch kein einziges Cafe oder Restaurant offen hatte. Nur einen Chai-Tee konnte ich auftreiben. Wir packen und verlassen pünktlich um 8Uhr das Hotel. Kurz zuvor hat uns noch eine schlechte Nachricht erreicht: Unser Flug wurde um 2h verschoben. Da wir jetzt bereits alles gepackt haben, fahren wir trotzdem schon zum Flughafen. Etwa eine Stunde Tuktuk-Fahrt über sehr schlechte Straßen haben wir hinter uns gebracht. So früh am Morgen war dank Fahrtwind auch nichts von den Sonnenstrahlen zu spüren – es war bitter kalt.
Am sehr übersichtlichen und noch leeren Flughafen haben wir dann endlich gefrühstückt, danach eingecheckt. Die Inder nehmen es mit der Sicherheit übrigens sehr genau: Das aufzugebende Gepäck wird vor Aufgabe in Anwesenheit des Reisenden durchleuchtet und dann „versiegelt“ (mit einem Plastikband umbunden) und an das Handgepäck kommt nach Durchleuchtung ebenfalls ein entsprechender Hinweis.
Danach haben wir uns gute 3h am Flughafen gelangweilt (es gab auch kein Wlan). Unser Flug startete dann mit 2,5h Verspätung in Richtung Mumbai. Immerhin gab es ein vollwertiges Mittagessen an Board.

Essen im Flugzeug

Essen im Flugzeug

In Mumbai haben wir uns dann ein Prepaid Taxi zum Hotel genommen. Nach 90min Taxifahrt waren wir endlich am Hotel. Von den 90min hat der Fahrer sicherlich 30min mit dem Suchen des Hotels verbummelt (Navis gibt’s hier auch in keinem Taxi). Dafür sahen wir schon viel von der Stadt Mumbai, die auf mich deutlich westlich-geprägter als die bisherigen indischen Städte wirkt. Auch an der Anzahl und Vielfalt der Autos sieht man direkt, dass in Mumbai mehr Geld vorhanden ist. Die Müllhaufen, die sonst zum Stadtbild gehören, sieht man kaum. Die Straßen sind durchweg gepflastert oder geteert und haben keine Lücke aus festgetretener Erde zwischen Fahrbahn und Häusern.
Unser Hotelzimmer ist sehr dürftig: Putz bröckelt von der Wand, die Dusche ist zu niedrig, hat nur kaltes Wasser und macht auch sonst keinen schönen Eindruck, die Toilette ist auf dem Gang, es gibt Wlan nur zu gewissen Zeiten. Es wirkt alles etwas wie im Schullandheim (wobei die meisten Jugendherbergen deutlich besser ausgestattet sind).
Wir gehen am Abend essen und danach erkunde ich noch alleine die nähere Umgebung, dabei verlaufe ich mich mal wieder ordentlich und bin froh als ich mich wieder auf der Straßenkarte zurecht finde.

Mumbai bei Nacht

Mumbai bei Nacht

Am nächsten Morgen, Samstag, bin ich vom Frühstück des Hotels eher enttäuscht: Nur zwei Scheiben Toast und Omelette. Zwar lecker aber zu wenig und mehr gibt’s nicht (strenge Regeln hier).
Nach dem Frühstück lerne ich die kalte Dusche kennen und dann geht’s hinaus nach Mumbai. Immerhin liegen wir super zentral und können so zu Fuß vieles erkunden: Gateway of India, Taj Mahal Hotel, Bahnhof, Strandpromenade, Uni, Parks uvm. Mumbai wirkt dabei sehr grün und häufig angenehm ruhig, wobei die großen Straßen das direkte laute und quirlige Gegenteil sind. Eigentlich wollten wir noch das Wäschereiviertel erkunden, das laut Hotelpersonal ebenfalls in Laufweite liegen sollte. Das erweist sich leider als Falschaussage. Bis wir das festgestellt haben dauert gute 2h. Gegen kurz nach 17Uhr sind wir total fertig wieder im Hotel angekommen.

Turm der Uni in Mumbai

Turm der Uni in Mumbai

Kirche in Mumbai

Kirche in Mumbai

Bahnhof in Mumbai

Bahnhof in Mumbai

Taj Hotel

Taj Hotel

Gateway of India

Gateway of India

"Cricket" Park in Mumbai

“Cricket” Park in Mumbai

Am frühen Abend brechen wir auf. Im Hotel haben wir uns nach einer netten Bar bzw. Restaurant erkunden. So hält unser Taxi kurze Zeit später am Cafe Leopold. Das erweist sich allerdings leider als Touristenhighlight (irgendein Buch) mit entsprechend teuren Preisen. Wir ziehen weiter und finden nur eine Seitenstraße weiter ein günstiges indisches Restaurant. Danach gehen wir in eine nahe gelegene Bar, die uns allerdings auch nicht so richtig gefällt. Es gibt keine Musik und ein angenehmes Ambiente verstrahlt sie auch nicht. Dafür probieren wir indischen Wein und sind positiv überrascht.
Mit dem Taxi geht es weiter ins Hard Rock Cafe. Angeblich die einzige Bar mit Musik in Mumbai. Zwar sind die Preise hier auch deutlich teurer, aber dafür ist es die typische angenehme Hardrock Cafe Atmosphäre. Die Angestellten tanzen sogar YMCA. In der Bar lernen wir eine Südkoreanerin und einen Italiener kennen, die beide in Mumbai leben und arbeiten. Mit ihnen ziehen wir weiter in einen nahen Club. Leider ist im Club nichts los und so geht es mit dem Taxi in Four Seasons Hotel. Dort gibt es im 34 Stockwerk eine Dachterrasse mit einem phänomenalen Blick auf die Stadt. Unser Bedenken, dass wir dafür nicht passend angezogen sind, sind glücklicherweise irrelevant, auch wenn sonst alle in edler Abendgarderobe herumlaufen. Wir genießen den Ausblick, leckere, wenn auch sehr teure Drinks (zum Glück gilt der Eintritt als Freiverzehr).

Weintrinken in Mumbai

Weintrinken in Mumbai

Four Seasons Hotel 34. Stock in Mumbai

Four Seasons Hotel 34. Stock in Mumbai

Sonntag. Boah, nach knapp 3h Schlaf klingelt der Wecker. Um 10Uhr werden wir für die Slumtour abgeholt und fahren mit dem Zug in etwa 30min zum größten Slum in Asien, dem Dharavi Slum. Wir werden dabei von einem Slumbewohner geführt. Den Slum habe ich mir ganz anders vorgestellt: viel mehr Elend und Armut. Doch die 1Millionen Bewohner des 1,75km² großen Slums erwirtschaften mittlerweile einen Jahresumsatz von etwa 655Mio US Dollar in etwa 10000 Unternehmen. Für alle Kinder gibt es Schulen und häufig auch „normale“ Häuser. Kriminalität ist so gut wie nicht vorhanden. Wir durchlaufen einige Unternehmen, wie die Plastikaufbereitung, Lederverarbeitung, Bäckereien und Töpferein und schauen uns auch die Wohnungen an. Die Bewohner wirken dabei alle freundlich auf mich und machen eher den Anschein, dass sie sich freuen fremde Gesichter zu sehen.

Dharavi Slum in Mumbai

Dharavi Slum in Mumbai

Dharavi Slum in Mumbai

Dharavi Slum in Mumbai

Der Film Slumdog Millionaire, der im Dharavi Slum spielt, zeigt den original Slum übrigens nur in einer Szene und die Zustände im Slum in den 90er Jahren.
Nach der Slumtour fahre ich alleine nach Mahalaxni und schaue mir die dortigen Wäschereien an. Nahezu die gesamte Wäsche Mumbais wird dort gewaschen, gereinigt und getrocknet.

Wäschereiviertel in Mumbai

Wäschereiviertel in Mumbai

Die Nahverkehrszüge sind übrigens genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe: Unter der Woche brechend voll und die Türen bleiben immer offen.

Ich "im" Zug in Mumbai

Ich “im” Zug in Mumbai

Zurück im Hotel muss ich erstmal Schlaf nachholen. Am Abend ging ich ins Kino. Zwar kein Bollywood-Film, da die irgendwie immer nur im Originalton gezeigt werden, aber ich fand ein Kino das den Hobbit zeigte. Im Kino sorgte ich etwas für Verwirrung, da ich deutlich zu früh da bin und mein bestelltes Essen irrtümlich in den Saal getragen werden wollte. Dabei wartete ich noch vor dem Saal. Es gab einen Burger, mit Pommes und Cola. Der Eintritt für den Hobbit in 3D kostet übriges angenehme 6,30€ in der besseren Sitzkategorie. Unter der Woche kann man schon für etwa 1,20€ Filme ansehen und das bereits ab 9Uhr morgens. Vor dem eigentlichen Film wird noch die indische Nationalhymne gespielt und in der Pause werden am Platz weitere Bestellungen von Getränken und Speisen aufgenommen, die natürlich auch an den Platz geliefert werden. Alles in allem ein sehr schöner Abend mit einem spannenden Film.

Kino in Mumbai

Kino in Mumbai